Die Schweizer Ankerhemmung ist eine seit 100 Jahren bewährte Hemmung für Kleinuhren. Jedoch benötigt sie für ihre einwandfreie Funktion regelmäßig Öl an den Ankerpaletten und an den Ankerradzähnen. Aus diesem Grund wird von den meisten Uhrenherstellern ein Wartungsintervall von zwei bis drei Jahren empfohlen. Nach dieser Zeit sollte die Uhr gereinigt und frisch geölt werden. Eine ungenügend oder gar nicht geölte Hemmung führt in der Regel zu starken Gangabweichungen, und nach wenigen Wochen zum Stillstand der Uhr.
Aus diesem Grund beschäftigt man sich bei Damasko seit 1998 mit Beschichtungen die einen sehr niedrigen Verlustreibungskoeffizienten aufweisen.
Als derzeit unübertroffen in dieser Hinsicht haben sich Schichten aus amorphen, diamantartigen Kohlenstoff, kurz DLC ( Diamond Like Carbon) herausgestellt. Diese Schicht hat als Grundstruktur ein amorphes, wasserstoffhaltiges Kohlenstoffnetzwerk, das durch Zugabe von verschiedenen Dotierstoffen , welche sich nochmals reibungsmindernd auswirken, aus einer Plasma aktivierten Gasphase abgeschieden wird, kurz PACVD- Prozess ( Plasma Aktivated Chemical Vapour Deposition ). Die Beschichtungstemperatur liegt dabei unter 200 Grad Celsius. Die erzeugte Schicht ist ab einem Mikron Schichtstärke schwarz glänzend. Diese Hartstoffschicht zeichnet sich durch nachstehende Eigenschaften aus:

- Hohe Härte 1800 HV bis 3000 HV
- Hohe Verschleißfestigkeit
- Beste Chemische Innertanz
- Beste Oberflächenqualität
- Äußerst niedriger Reibungskoeffizient DLC zu Stahl 0,07 (trocken)
- Niedrige Beschichtungstemperatur < 200 Grad Celsius

Dieses relativ neue Schichtsystem hat durch seine einzigartigen Eigenschaften sehr schnell vielfältigste Anwendungsgebiete erschlossen: Sie wird eingesetzt zur Beschichtung von Metallumformwerkzeugen, von Bauteilen für die Luft- und Raumfahrt, von medizinischen Implantaten bis hin zu Formel 1 Rennmotoren.
Für den Einsatz in der Uhrenindustrie ist vor allem die hohe Härte und somit abzuleitende Verschleißfestigkeit sowie der äußerst niedrige Trockenreibungskoeffizient der DLC Schicht interessant.
Unsere ersten Versuche gingen dahin, nur das Ankerrad eines Standard- Chronographenwerkes ETA 7750 mit einer amorphen Kohlenstoffschicht zu beschichten. Durch den schon angesprochenen niedrigen Trockenreibungskoeffizienten der Kohlenstoffschicht und den polierten Ankerpaletten aus synthetischen Rubin ( AL2O3), gelang es bereits den Anker zum Ankerrad trocken laufen zu lassen. Die erreichten Gangwerte von 2 Sek/ Tag und eine Amplitutenschwingungsweite von 290-325 Grad waren bereits enorm, jedoch unserer Meinung nach noch zu verbessern. Da der Reibungskoeffizient der uns vorliegenden Schicht sehr niedrig war, stellte sich nun die Frage, ob er nochmals geringer würde, wenn DLC-Schicht zu DLC- Schicht liefe. Aus diesem Grund wurde angedacht, beide Bauteile, also Ankerrad und Anker zu beschichten. Um eine objektive Aussage treffen zu können, sollte auch der Anker einstückig aus Metall, ebenso wie das Ankerrad, hergestellt werden, und nachfolgend mit der DLC- Schicht überzogen sein. Aus diesem Grund wurde ein Anker mit neuer Geometrie entworfen und einteilig gefertigt. Danach folgten diverse Nachbearbeitungen, wie polieren, oberflächenhärten, nochmals polieren und letztendlich DLC beschichten.
Beide Bauteile waren nun mit einer Schicht beschichtet, die einen bisher in der Technik nicht gekannten, niedrigen Trockenreibungskoeffizienten hat.
Nach dem Einbau wurden unsere Annahmen bestätigt:
Die Amplitute der Unruh lag zwischen 300 und 347 Grad !!
Die Gangwerte lagen bei 2 Sek/ Tag
Somit konnte bewiesen werden, dass durch die DLC- Beschichtung beider Reibpartner, die Verluste durch Reibung an der Hemmung, nochmals verringert werden können.
Es muss jedoch sichergestellt werden, dass an den Arbeitsflächen des Ankers, und des Ankerrades eine optimale Oberflächenbeschaffenheit (poliert) vorliegt, da nach dem Beschichten die gleiche Oberflächenrauhigkeit vorliegt, wie vor dem Beschichten.
Eventuelle größere Rautiefen werden nicht eingeebnet, wie beim Lackieren, sondern nur nachgeformt. Es gibt zwar ein gewisses Einlaufen der Schicht, dieses spielt sich aber eher im atomaren Bereich ab.
Nach nun 2- jährigem Testlauf an verschiedenen Werken, konnten wir bisher noch keinen merklichen Verschleiß erkennen.
Zusammenfassend kann man feststellen, dass es bei der uns heute vorliegenden Schweizer Ankerhemmung schon genügen kann, nur einen Reibpartner, wie z. B. das Ankerrad mit der DLC Schicht zu beschichten, da die roten hochglanzpolierten Ankerpaletten, aus synthetischen Rubin, einen idealen Reibpartner gegenüber der DLC Schicht darstellen. Es hat sich aber auch gezeigt, das durch das
Beschichten beider Reibpartner, also Anker und Ankerrad, die Werte der Amplitute und das Gangverhalten stabiler werden.
Da sich aus anderen industriellen Anwendungen in letzter Zeit Siliziumkarbid auch als idealer Reibpartner zur DLC-Schicht hervorgetan hat, wie bei Lagergehäusen aus SiC, wäre es eventuell denkbar, die Ankerpaletten aus diesem Material zu fertigen.

Nachstehend ermittelte Reibungskoeffizienten bei Trockenreibung:

- DLC zu Stahl 0,07
- DLC zu synth. Rubin 0,05 - 0,06
- DLC zu DLC 0,04 - 0,05
- DLC zu SiC 0,03 - 0,04
- Zum Vergleich die „ normale Hemmung “:
- Stahl zu synth. Rubin (geölt) 0,04 – 0,05

Diese Erkenntnisse bzw. die neuartige Ausbildung der Hemmung wurden von unserem Haus zum Patent angemeldet.

Wir haben bewusst vermieden auf bestimmte Parameter und Rahmenbedingungen in weiteren Ausführungen näher einzugehen, da es seit der Offenlegung unserer Patentschriften bereits zu Nachahmungen gekommen ist.

Mit der Beschichtung von Uhrwerksplatinen wurde im Jahr 2001 ein weiterer Schritt zum trockenen Uhrwerk begonnen.
Aufgabenstellung war, die kleinen Bohrungen, in denen die Achsen der Zahnräder oder ähnliche bewegte Teile gelagert sind, an ihrer Innenwandung vollflächig zu beschichten. Auch der Innenraum des Federhauses wurde beschichtet, damit die Zugfeder noch reibungsfreier ablaufen kann. Da auch diese Versuche positiv ausgefallen sind, werden wir in Kürze vom komplett ölfreien Uhrwerk berichten können.

HemmungDLC beschichtetes Gehäuse

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